• 09.07.2026, 13:02:41
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Boden im Spannungsfeld: ÖWAV-Seminar zeigt Wege zwischen Flächenbedarf, Bodenschutz und Zukunftssicherung

Presseinformation Umwelt / Klima / Wasserwirtschaft Wien, 09.07.2026 Boden im Spannungsfeld: ÖWAV-Seminar zeigt Wege zwischen Flächenbedarf, Bodenschutz und Zukunftssicherung Der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) lud gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) zum hochkarätig besetzten Fachseminar „Boden im Spannungsfeld – Bedarf, Verbrauch, Verfügbarkeit“. Im Zentrum der Veranstaltung standen die zunehmenden Nutzungskonflikte rund um die begrenzte Ressource Boden – mitsamt der Frage, wie die Anforderungen von Wohnen, Wirtschaft, Landwirtschaft, Energiewende, Renaturierung und Hochwasserschutz künftig besser miteinander in Einklang gebracht werden können. Vertreter:innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Raumplanung und Praxis diskutierten aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze für einen nachhaltigen Umgang mit Flächenressourcen. www.oewav.at

Boden erfüllt zahlreiche zentrale Funktionen für Gesellschaft und Umwelt: Er sichert die Nahrungsmittelproduktion, reguliert den Wasserhaushalt, speichert Kohlenstoff, bietet Lebensraum für Biodiversität und bildet die Grundlage für Infrastruktur und Energieversorgung. Gleichzeitig steigt der Druck auf verfügbare Bodenflächen kontinuierlich. Während weiterhin Flächen für Siedlungsentwicklung, Verkehrsinfrastruktur und Wirtschaftsstandorte benötigt werden, wächst zugleich der Bedarf an Renaturierungsmaßnahmen, ökologische Ausgleichsflächen, Hochwasserschutzprojekte sowie den Ausbau erneuerbarer Energien.

Trotz langjähriger Zielsetzungen für eine Entlastung der Situation weist Österreich nach wie vor einen hohen Bodenverbrauch auf. Zwischen 2022 und 2025 wurden durchschnittlich rund 6,5 Hektar pro Tag neu in Anspruch genommen. Mit dieser Flächeninanspruchnahme geht auch eine fortschreitende Bodenversiegelung einher, wodurch wichtige ökologische Funktionen dauerhaft verloren gehen. Daher besteht die zentrale Herausforderung darin, den künftigen Flächenbedarf und damit verbundene unterschiedliche gesellschaftliche Ziele frühzeitig zu berücksichtigen, um Nutzungskonflikte durch integrierte Planungsansätze zu minimieren.

Integrierte Lösungen für eine begrenzte Ressource erforderlich
„Der Boden ist eine unserer zentralen Zukunftsressourcen“, betont ÖWAV-Geschäftsführer DI Dr. Daniel Resch. „Die wachsenden Anforderungen aus Siedlungsentwicklung, Landwirtschaft, Hochwasserschutz, Renaturierung und Energiewende machen deutlich, dass Flächen künftig noch strategischer und effizienter genutzt werden müssen.“ Denn: „Nachhaltige Lösungen werden nur gelingen, wenn Raumplanung, Wasserwirtschaft, Naturschutz, Energieplanung und Landwirtschaft gemeinsam gedacht werden.“ 

 

Das Ziel: Netto-Null-Bodenverbrauch
Bereits im Einführungsvortrag verdeutlichte Univ.-Prof. Dr. Gernot Stöglehner vom Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung der BOKU, dass Bodenschutz längst nicht mehr ausschließlich ein Thema der Raumordnung sei. „Die entscheidende Frage lautet nicht nur, wie viel Fläche wir verbauen können, sondern wie viel Boden wir künftig für Ernährungssicherheit, Biodiversität, Hochwasserschutz und die Energiewende benötigen. Boden ist endlich – deshalb müssen wir deutlich sparsamer mit ihm umgehen. Langfristig ist ein verbindliches Ziel von Netto-Null-Bodenverbrauch für die gesamte Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr erforderlich. Dafür braucht es auch eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit“, betonte Stöglehner.

Entsiegelung als Schlüssel zur Wiederherstellung von Bodenfunktionen
Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars war das Potenzial der Entsiegelung bereits verbauter Flächen. Dieses Thema steht auch im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „PotEnt – Potenziale zur Entsiegelung“ der BOKU. Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Grundlagen und Methoden, um versiegelte Flächen gezielt rückzubauen und verlorengegangene Bodenfunktionen wiederherzustellen.

Entsiegelte Flächen bieten darüber hinaus wertvolle Möglichkeiten für den Ausbau der Blau-Grünen Infrastruktur (BGI). Die Kombination von Gewässern, Regenwassermanagement-Systemen und Grünräumen trägt wesentlich zur klimaresilienten Stadtentwicklung bei. Diese BGI reduziert Hitzeinseln, verbessert die Luftqualität, stärkt die Biodiversität und vermindert das Risiko von Überflutungen.

Renaturierung, Hochwasserschutz und Energiewende erhöhen den Flächendruck
Auch für die Umsetzung der EU-Renaturierungsziele sowie die Schaffung zusätzlicher Retentionsflächen für den Hochwasserschutz werden künftig weitere Flächen benötigt. Um Nutzungskonflikte zu reduzieren, gewinnen Konzepte der Flächenmehrfachnutzung zunehmend an Bedeutung. Besonders an Gewässern können Renaturierung, Hochwasserschutz und ökologische Entwicklung miteinander verbunden werden. Durch die Reaktivierung von Überschwemmungsflächen entstehen multifunktionale Räume, die Hochwasserrisiken reduzieren, die Artenvielfalt fördern und gleichzeitig als attraktive Naherholungsgebiete dienen.

Darüber hinaus erfordert auch der Ausbau erneuerbarer Energien zusätzliche Flächen. Derzeit machen Freiflächen-Photovoltaik und Windkraft mit rund 0,2 Prozent der gesamten Flächeninanspruchnahme zwar nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus. Dennoch zeigt sich, dass eine strategische und sektorübergreifend abgestimmte Flächenplanung künftig unverzichtbar sein wird.

Ausgleichsflächenmanagement gewinnt an Bedeutung
Ebenfalls einen großen Schwerpunkt des Seminars bildete das Thema des Ausgleichsflächenmanagements. Ausgleichs- bzw. Kompensationsflächen dienen dazu, unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft – etwa durch Bau- oder Infrastrukturprojekte – mittels ökologischer Maßnahmen an anderer Stelle auszugleichen und die Biodiversität langfristig zu sichern. Die Diskussionen machten deutlich, dass neben der Bereitstellung geeigneter Flächen insbesondere deren langfristige Pflege, Betreuung und ökologische Entwicklung entscheidend für den Erfolg solcher Maßnahmen sind. Mit steigenden Anforderungen an den Natur- und Umweltschutz wächst daher auch die Bedeutung eines professionellen Flächenmanagements.

Flächenagentur Niederösterreich als Praxisbeispiel
Als innovatives Modell stellte Niederösterreichs Umweltanwalt Thomas Hansmann die Flächenagentur Niederösterreich vor. Ziel der Einrichtung ist es, Ausgleichsflächen professionell zu entwickeln, langfristig zu sichern und für unterschiedliche Projekte verfügbar zu machen. Durch die Bündelung von Flächen, naturschutzfachlicher Expertise sowie langfristiger Betreuung können Renaturierungs- und Kompensationsmaßnahmen effizienter umgesetzt werden. Die Flächenagentur wurde im Seminar als zukunftsweisendes Instrument präsentiert, um den steigenden Bedarf an Ausgleichsflächen und künftige Nutzungskonflikte besser bewältigen zu können.

Mit dem erfolgreichen Seminar und der laufenden Ausschusstätigkeit setzt der ÖWAV weitere Impulse für den interdisziplinären Dialog über einen nachhaltigen Umgang mit Boden. Die hohe fachliche Beteiligung unterstreicht die Relevanz des Themas und zeigt, dass Bodenschutz zunehmend als zentrale Voraussetzung für Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Biodiversität und eine resiliente Raumentwicklung verstanden wird. „Das Seminar hat eindrucksvoll gezeigt, dass dafür bereits zahlreiche innovative Instrumente und Konzepte zur Verfügung stehen – von der Entsiegelung über moderne Ausgleichsflächenmodelle bis hin zu neuen Formen der regionalen Zusammenarbeit. Nun gilt es, diese verstärkt in die Praxis zu bringen“, so ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch.


Über den ÖWAV 
Der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) vertritt seit 1909 die Gesamtheit der Wasser- und Abfallwirtschaft in Österreich. Als gemeinnütziger Verein setzt er sich für die Erreichung der nachhaltigen Ziele der Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft auf nationaler und internationaler Ebene ein. Seinen über 3.400 Mitgliedsorganisationen bietet der ÖWAV ein Branchennetzwerk sowie eine neutrale und unabhängige Plattform aller Fachexpert:innen und beteiligten Berufsgruppen. Ziele des ÖWAV sind die Ausbildung, die Erarbeitung und die Sicherung von Qualitätsstandards in der Wasser- und Abfallwirtschaft sowie die Information und der Interessenausgleich nach innen und außen. Präsident ist RA Mag. Martin Niederhuber, die Geschäftsführung hat DI Dr. Daniel Resch inne.
www.oewav.at

Fotos beiliegend, Abdruck honorarfrei
BU1: DI Dr. Daniel Resch, Geschäftsführer ÖWAV © ÖWAV
BU2: Unter den Vortragenden befanden sich hochkarätige Expert:innen (v.l.n.r.): Daniel Resch (Geschäftsführer ÖWAV), Sandra Kasper (Leiterin der Abteilung für Umweltrecht, Jank Weiler Operenyi Rechtsanwälte GmbH/Deloitte Legal), Gernot Stöglehner (Leiter des Departments für Landschaft, Wasser und Infrastruktur, Universität für Bodenkultur Wien), Florian Maringer (Geschäftsführer Interessengemeinschaft Windkraft Österreich-IGW), Rosemarie Stangl (Institutsleitung und stellvertretende Leitung des Departments für Landschaft, Wasser und Infrastruktur, Universität für Bodenkultur Wien) und Martin Niederhuber (ÖWAV-Präsident).
BU3-4: Die Entsiegelung bereits verbauter Flächen ist ein zentraler Schlüssel zur Wiederherstellung von Bodenfunktionen © ÖWAV 

Rückfragen & Kontakt

comm:unications Consulting & Services
Sabine Pöhacker, MSc.
Telefon: 0131514110
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.communications.co.at

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