- 30.04.2026, 07:34:32
- /
- OTS0009
Blitzumfrage: Gemeinden haben 1 Milliarde Euro an Investitionen aufgeschoben
747 Gemeinden melden rund 400 Mio. Euro aufgeschobene Investitionen – auf alle Gemeinden übertragen geht es rechnerisch um rund 1 Mrd. Euro und mehr als 5.000 Projekte
Die Auswertung der aktuellen Blitzumfrage des Österreichischen Gemeindebundes zeigt ein klares Bild: Vier von fünf Gemeinden mussten im Jahr 2025 Investitionen verschieben, reduzieren oder absagen. Allein die 747 teilnehmenden Gemeinden melden ein aufgeschobenes Investitionsvolumen von knapp 400 Mio. Euro und nennen mindestens 1.600 konkrete kommunale Vorhaben, die verschoben, reduziert oder abgesagt werden mussten. Rechnet man dieses Muster auf alle 2.092 Gemeinden Österreichs um, ergibt sich rechnerisch ein aufgeschobenes Investitionsvolumen von rund 1 Mrd. Euro - und das allein seit Anfang 2025. Insgesamt wären damit mehr als 5.000 kommunale Projekte betroffen.
„Ich bin besorgt, denn wir reden hier nicht mehr über einzelne Projekte, sondern über eine regelrechte Investitionsbremse. Mittel- und langfristig trifft das die Menschen vor Ort, kurzfristig trifft es die lokale und regionale Wirtschaft. Wenn Gemeinden nicht mehr investieren können, geraten Lebensqualität, Infrastruktur und regionale Wirtschaftskreisläufe unter Druck“, sagt Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl.
Betroffen ist die kommunale Basisinfrastruktur
Am häufigsten genannt sind unter den zurückgestellten Projekten laut Umfrage Straßen und öffentliche Plätze. Dahinter folgen Energie- und Gebäudesanierungen, Sport-, Freizeit- und Kultureinrichtungen, Wasser- und Abwasserprojekte, Feuerwehr und Katastrophenschutz sowie Schulen und Kindergärten. „Das sind keine Luxusprojekte und keine abstrakten Budgetposten. Das sind Investitionen, die die Menschen im Alltag spüren: sichere Straßen, funktionierende Wasserversorgung, gute Kinderbetreuung, moderne Schulen und einsatzfähige Feuerwehren. Was im Gemeindebudget als Investition abgebildet ist, entscheidet im Alltag der Menschen über deren Lebensqualität“, so Pressl.
Auch für das Jahr 2026 ist keine Entspannung erkennbar. 70,3 Prozent der Gemeinden geben an, dass Investitionen auch im heurigen Jahr bereits verschoben wurden oder dies absehbar ist. Weitere 20,3 Prozent können die Entwicklung derzeit noch nicht abschätzen. Nur rund jede zehnte Gemeinde sagt derzeit, dass keine weiteren Verschiebungen absehbar sind.
Regionale Betriebe verlieren Aufträge
Die Umfrage zeigt auch: Kommunale Investitionen sind ein unmittelbarer Motor für regionale Wertschöpfung. 87,1 Prozent der Gemeinden geben an, dass die betroffenen Aufträge überwiegend in der eigenen Gemeinde oder in der Region beziehungsweise im Bezirk vergeben worden wären. Besonders betroffen sind Bauhaupt- und Baunebengewerbe, Elektro-, Heizungs- und Sanitärbetriebe, Planer, Ziviltechniker, Vermesser sowie Tischlereien. „Kommunale Investitionen bringen regionale Wertschöpfung. Jedes verschobene Projekt ist auch ein Auftrag weniger für Betriebe vor Ort. Wer die regionale Wirtschaft wirklich stärken will, muss die Investitionskraft der Gemeinden stärken“, betont Pressl.
Fehlender Spielraum, hohe Finanzierungskosten, zu hoher Eigenmittelbedarf
Als Hauptgrund für die Verschiebungen nennen die Gemeinden fehlende finanzielle Mittel im laufenden Budget. Dazu kommen hohe Finanzierungskosten, ein zu hoher Eigenmittelbedarf bei Förderprogrammen und Unsicherheit über die weitere Finanzentwicklung. Besonders bei größeren Projekten werden Finanzierungskosten und Kreditbelastungen zu einem zentralen Hemmnis. „Viele Gemeinden haben notwendige Projekte in der Schublade. Sie wissen genau, was vor Ort gebraucht wird. Aber immer öfter fehlt der finanzielle Spielraum, um diese Projekte auch tatsächlich umzusetzen“, sagt Pressl.
Gemeindebund fordert kommunalen Investitions-Turbo
Kern des kommunalen Investitions-Turbos soll eine Zinsstützung für kommunale Investitionskredite sein. Für ein Kreditvolumen im Ausmaß von bis zu 2 Milliarden Euro sieht der Gemeindebund in den kommenden Jahren des Doppelbudgets Bedarf. Der Bund hat Investitionsanreize als Konjunkturbooster angekündigt. Und aus Sicht des Gemeindebundes müssen dabei vor allem die Gemeinden als unmittelbare Auftraggeber der regionalen Wirtschaft mitgedacht werden. „Wenn nun die angekündigten 200 Mio. Euro gezielt für die Zinsstützung kurz- und mittelfristiger kommunaler Infrastrukturkredite eingesetzt würden, könnte der Investitionsimpuls vervielfacht werden“, sagt Pressl. Der Hebel wäre doppelt wirksam: Gemeinden könnten notwendige Infrastrukturprojekte umsetzen, und regionale Betriebe bekämen rasch zusätzliche Aufträge. „Die Projekte liegen in den Schubladen der Gemeinden und könnten rasch aktiviert werden. Eine Zinsstützung für kommunale Investitionskredite wäre damit nicht nur eine Hilfe für Gemeindebudgets, sondern auch ein direkter Impuls für regionale Wertschöpfung und Beschäftigung“, so Pressl.
Abschließend betont der Gemeindebund-Präsident: „Die Gemeinden wollen investieren. Sie können Projekte rasch umsetzen, sie sichern Lebensqualität und sie stärken regionale Betriebe. Jetzt braucht es faire Rahmenbedingungen, damit notwendige Investitionen nicht weiter aufgeschoben werden müssen.“
Zur Umfrage
An der Blitzumfrage des Österreichischen Gemeindebundes nahmen im Zeitraum 20. bis 27. April 747 Gemeinden teil. Das entspricht rund 36 Prozent aller 2.092 österreichischen Gemeinden. Die Angaben zu Investitionsvolumen und Projektzahl beziehen sich auf die eingegangenen Rückmeldungen. Die österreichweite Dimension von rund 1 Mrd. Euro und mehr als 5.000 Projekten ist eine rechnerische Übertragung dieses Musters auf alle Gemeinden und keine repräsentative Vollerhebung. Mehr Infos auf www.gemeindebund.at
Rückfragen & Kontakt
Österreichischer Gemeindebund
Andreas Steiner, BA MA
Pressesprecher
Mobil: 0664/8238476 Tel.: 01/5121480-18
[email protected]
www.gemeindebund.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | OGB






