• 15.10.2026, 18:08:02
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Tourismus in Österreich: Neue Übernachtungsrekorde, aber auch Herausforderungen für Betriebe

Nationalrat debattiert über Tourismusbericht 2025 und Maßnahmen zur Sicherung der Tourismusbranche

Wien (PK) - 

Der Tourismus erwirtschaftet einen beträchtlichen Anteil der österreichischen Wertschöpfung. 2025 erreichten die Nächtigungszahlen im heimischen Tourismus einen neuen Höchstwert. Trotzdem bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe angespannt. Vor allem steigende Energie- und Personalkosten machen den Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben zu schaffen und mindern den Ertrag. Das zeigt der Bericht über den Tourismus in Österreich 2025 auf. Auf einstimmigen Wunsch des Tourismusausschusses wurde er heute im Plenum des Nationalrats diskutiert. Der Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen.

Aus Sicht der Abgeordneten von ÖVP, SPÖ und NEOS stellt der Tourismus in Österreich in erster Linie eine Erfolgsgeschichte dar. Der Bericht zeige aber auch, dass weitere Schritte der Bundesregierung sinnvoll seien, um die Branche weiter zu stärken.

Die FPÖ anerkannte die Leistungen der Tourismusbranche, zog aber gleichzeitig in Zweifel, dass die positiven Zahlen etwas mit der Politik der Bundesregierung zu tun hätten. Gerade beim dringend notwendigen Bürokratieabbau habe sie nicht "geliefert". Seitens der Grünen wurde angemerkt, dass der Klimawandel immer mehr zur Belastung für den Tourismus in den Alpen werde.

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner meinte, bei allen Erfolgen dürfe man die Herausforderungen für die Tourismusbranche nicht aus den Augen verlieren. Die Bundesregierung setze daher auf die Tourismusstrategie "Vision T". Ein wichtiges Ziel sei die Steigerung des Anteils der Ganzjahresbeschäftigten im Tourismus.

Tourismusbericht: Mehr Gäste aus dem In- und Ausland im Jahr 2025

Mit 157,3 Mio. Nächtigungen gab es laut dem Tourismusbericht 2025 wieder einen neuen Höchstwert. Eine steigende Nachfrage nach den Angeboten des heimischen Tourismus kam sowohl von inländischen Gästen (40,5 Mio. Übernachtungen, +0,5 %) als auch von Gästen aus dem Ausland (116,8 Mio., +2,4 %). Die Zahl der Ankünfte stieg dabei gegenüber 2024 um 3,1 % auf 48,2 Mio. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste in derselben Unterkunft ging aber zurück.

In Hotellerie und Gastronomie waren 2025 insgesamt 228.634 Menschen unselbstständig beschäftigt. Die Wertschöpfung der Branche beziffert der Tourismusbericht für das Jahr 2025 mit 33,1 Mrd. Ꞓ bzw. rund 6,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Die unmittelbare Wertschöpfung der Freizeitwirtschaft ist laut Schätzungen des WIFO auf 26,1 Mrd. Euro (+2,9 %) gestiegen.

FPÖ: Tourismusbetriebe brauchen dringend Entlastung

Die Zahlen des Tourismusberichts würden zwar gut klingen meinte Michael Fürtbauer (FPÖ). Das bedeute aber noch nicht, dass es der Branche gut gehe. Die Gäste würden zwar kommen, aber die Beherbergungsbetriebe hätten immer größere Probleme. Die Zahl der Ferienwohnungen steige enorm an, die Anzahl der traditionellen Wirtshäuser sinke immer weiter. Die Bundesregierung habe bisher nichts für den Tourismus geliefert. Der Tourismusbeschäftigtenfonds sei nur ein zusätzliches Förderinstrument, dessen Mittel nicht dort ankommen würden, wo sie gebraucht würden. Eine echte Tourismusförderung würde vor allem durch Bürokratieabbau erfolgen, meinte Fürtbauer.

Tina Angela Berger (FPÖ) sagte, die guten Zahlen des Tourismus gebe es nicht wegen, sondern trotz der Politik der Bundesregierung. Die Regierung führe immer weitere unnötige Belastungen ein, die zu Wettbewerbsnachteilen führten, und halte nicht, was sie ankündige. Das Gasthaussterben im ländlichen Raum halte an. Berger forderte eine Entlastung der Betriebe. Der Tourismusbeschäftigtenfonds führe nur zu weiteren Doppelgleisigkeiten bei Förderungen, das zeige auch der Rechnungshof auf.

Während es Nächtigungsrekorde gebe, lasse der Ertrag der Betriebe zu wünschen übrig, kritisierte Sebastian Schwaighofer (FPÖ). Die Bundesregierung könne sich die Erfolge des Tourismus nicht zugutehalten. Sie müsse endlich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Tourismusbetriebe verbessern. Die FPÖ habe dazu zahlreiche Vorschläge vorgelegt, die aber ignoriert würden. Die Bundesregierung müsse endlich die richtigen Prioritäten setzen.

Christian Schandor (FPÖ) ging vor allem auf die höchst positive wirtschaftliche Entwicklung des südoststeirischen Thermen- und Vulkanlands ein, das im Vorjahr 2,17 Millionen Nächtigungen verzeichnet hat. Damit aber nicht nur die Gäste, sondern alle Menschen vor Ort vom Tourismus profitieren können, brauche es ausreichende Angebote an öffentlichem Verkehr, forderte er.

FPÖ-Tourismussprecher Christoph Steiner sah keine positiven Leistungen der Bundesregierung für den Tourismus. Der Tourismusbeschäftigtenfonds habe bisher keinen einzigen Cent ausgezahlt.

ÖVP verweist auf Schritte zur Entlastung der Tourismusbetriebe

Gabriel Obernosterer (ÖVP) sagte, trotz aller Probleme sei die Tourismusbranche weiterhin ein stabiler Faktor der österreichischen Wirtschaftsentwicklung. Die Herausforderungen für die Branche seien, die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft noch weiter zu verbessern, die Wertschöpfung zu steigern und Bürokratie abzubauen.

Österreich dürfe stolz sein auf seine Tradition der Gastfreundschaft, die den Tourismus dieses Landes so erfolgreich mache, meinte Margreth Falkner (ÖVP). Der Tourismus erbringe wichtige Leistungen und sei ein wesentlicher Faktor für die regionale Wirtschaft. Österreich wolle keinen Massen- und Overtourismus, sondern setze auf Qualitätstourismus. Sie warf der FPÖ eine negative Haltung gegenüber ausländischen Arbeitskräften vor. Diese seien aber für viele Bereiche des Tourismus unverzichtbar.

Der Tourismusbericht dokumentiere den Erfolg des heimischen Tourismus, zeigte sich auch ÖVP-Abgeordneter Johann Weber zufrieden. 2025 seien bei allen Kennzahlen neue Höchstwerte erzielt worden. Die Gäste würden eine hohe Zufriedenheit mit dem österreichischen Angebot zum Ausdruck bringen.

Tanja Graf (ÖVP) sah die touristischen Betriebe unter großem Druck aufgrund steigender Ausgaben für Energie, Lebensmittel und Löhne. Gegen den Personalmangel habe die Bundesregierung mit der Anpassung der Saisonkontingente, mehr Rechtssicherheit beim Trinkgeld sowie der steuerlichen Entlastung der Überstunden-, Sonn- und Feiertagsarbeit wichtige Schritte gesetzt. Ihre Fraktionskollegin Daniela Gmeinbauer (ÖVP) befasste sich vor allem mit dem Camping, das sich längst zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt habe. In den vergangen zehn Jahren seien die Nächtigungen auf den Stellplätzen um 61 % gestiegen.

Franz Hörl (ÖVP) hob die Bedeutung der Saisonarbeit für die Tourismusbranche hervor. Die FPÖ blockiere jedoch Kontingente für Saisonniers und füge damit dem Tourismus Schaden zu.

SPÖ richtet Fokus auf Beschäftigte im Tourismus

Der beeindruckende Erfolg des Tourismus sei nur aufgrund des Einsatzes seiner Beschäftigten möglich, merkte Melanie Erasim (SPÖ) an. Unter ihnen gebe es einen hohen Migrantenanteil. Zudem werde die Branche auch immer weiblicher. Mit dem Tourismusbeschäftigtenfonds sei ein erfolgreiches Instrument geschaffen worden. Anders als die FPÖ es darstelle, erfülle er sehr wohl seinen Zweck, die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen in der Hotellerie und Gastronomie zu verbessern. Ab November werde es zudem möglich sein, Förderungen direkt zu beantragen und damit die Mittel optimal auszuschöpfen.

Auch Antonio Della Rossa (SPÖ) betonte, dass Tourismus von den vielen Arbeitskräften getragen werde, die die Betriebe am Laufen halten. Ihre Arbeit müsse Wertschätzung erhalten und entsprechend abgegolten werden. Der heurige Sommer habe zudem gezeigt, dass die Natur, welche die Grundlage für den Tourismus bilde, immer mehr an ihre Grenzen stoße. Der Erhalt der Landschaft, der Schutz empfindlicher Lebensräume und der Erhalt der Ökosysteme sei daher auch aus Sicht des Tourismus wichtig.

Die Bekämpfung der Teuerung sei eine der zentralen Maßnahmen, damit alle Menschen sich Urlaub und Freizeit leisten könnten, sagte Katrin Auer (SPÖ). Erfreulich sei, dass der Tourismusbericht zeige, dass das Kulturangebot ein immer wichtigerer Faktor für den Tourismus werde. Auer wies auch auf den hohen Frauenanteil im Tourismus hin und forderte die Bekämpfung des Gender Pay Gap in der Branche. Hier setze der Tourismusbeschäftigtenfonds wichtige Fördermaßnahmen, indem er etwa bei der Kinderbetreuung unterstütze. Neben der Erleichterung von Betriebsübergaben sei auch die Ausbildung von Lehrlingen ein wichtiger Faktor für die Zukunft der Tourismusbetriebe. Auch wenn es stellenweise Probleme gebe, sei die Panikmache der FPÖ nicht gerechtfertigt.

Der Tourismus sichere hunderttausende Arbeitsplätze, vor allem auch im ländlichen Raum, zeigte Peter Manfred Harrer (SPÖ) auf. Um das auch in Zukunft abzusichern, brauche es einen Tourismus, der wirtschaftlich erfolgreich, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht ist.

Der Einsatz der Regierung gegen die Teuerung sei enorm wichtig, um den Tourismus zu stärken, urteilte Franz Jantscher (SPÖ). Der neu eingerichtete Tourismusbeschäftigtenfonds leiste einen wichtigen Beitrag bei der Unterstützung von Arbeitssuchenden.

NEOS: Tourismus bleibt Wachstumsbranche

Der Tourismus sei eine der wenigen Branchen, die während der Krise der letzten Jahre gewachsen sei, zeigte sich Dominik Oberhofer (NEOS) zufrieden. Österreich sei nach wie vor eines der erfolgreichsten Tourismusländer weltweit. Die Bundesregierung wisse das und habe daher viele Entlastungen für die Branche, die stark von Selbständigen getragen werde, auf den Weg gebracht, etwa bei der Saisonarbeit. Die FPÖ lehne gerade diese wichtige Maßnahme ab. Sie ignoriere damit, dass der Tourismus auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sei.

Grüne: Tourismusbranche muss nachhaltiger werden

Hinter den schönen Zahlen des Berichts verberge sich ein Ertragsproblem, sagte Barbara Neßler (Grüne). Vor allem die Energiekosten seien im Tourismusbereich sehr hoch. Neßler machte dafür den hohen Anteil fossiler Energieträger verantwortlich und plädierte dafür, verstärkt auf heimische, nachhaltig produzierte Energie zu setzen. Die Trockenheit des letzten Sommers habe gezeigt, welche Belastung der Klimawandel für den Tourismus bedeute. So hätten zahlreiche Schutzhütten wegen Wassermangels vorzeitig schließen müssen.

Der FPÖ warf die Abgeordnete vor, sich gegen ausländische Beschäftigte zu wenden und deren unverzichtbaren Beitrag zur Tourismusbranche zu ignorieren. Österreich könne aber nur als weltoffenes Land weiterhin reüssieren, meinte die Abgeordnete. Der Kritik an den Freiheitlichen schloss sich auch Barbara Neßler (Grüne) an.

Zehetner: Tourismusbranche ist "Kraftwerk für Wertschöpfung"

Der Tourismus sei "ein Kraftwerk für die Wertschöpfung in den Regionen". Das zeige der Tourismusbericht deutlich auf, sagte Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Nach einer starken Sommersaison blicke man auch dem Winter optimistisch entgegen. Hinter den gute Zahlen stünden die Leistungen vieler Menschen, denen Dank und Wertschätzung für ihre engagierte Arbeit gebühre. Allerdings würden hohe Kosten bei Energie, Lebensmitteln und Personal den Betrieben weiterhin zu schaffen machen. Volle Beherbergungsbetriebe würden noch nichts darüber aussagen, wieviel Ertrag am Ende diesen übrig bleibe. Die Bundesregierung habe daher zahlreiche Schritte gesetzt, die vor allem der Tourismusbranche zugutekommen würden. Zehetner verwies auf die Änderung der Gewerbeordnung, die Betriebsübergaben erleichtere und Bürokratie verringere. Auch die Aktivpension und die Entlastung bei den Lohnkosten sah Zehetner als Chancen für die Tourismusbranche.

Die Bundesregierung liefere also sehr wohl, sagte Zehetner. Sie hob insbesondere die Tourismusstrategie "Vision T" hervor. Diese definiere klare Ziele bis zum Jahr 2035, beispielsweise hinsichtlich der Steigerung der realen Wertschöpfung und der Tourismusakzeptanz. Insbesondere die Erhöhung der Anzahl der Ganzjahresbeschäftigten im Tourismus sei ein wichtiges Ziel, um die regionale Wertschöpfung zu steigern. Ein starker Tourismus schaffe Wohlstand für ganz Österreich, betonte Zehentner. Daher gelte es, ihn für die nächsten Generationen zu sichern und auszubauen. (Fortsetzung Nationalrat) sox/sue

HINWEIS: Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats können via Livestream mitverfolgt werden und sind als Video-on-Demand in der Mediathek des Parlaments verfügbar. In der Mediathek finden Sie auch Fotos von Plenarsitzungen.


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