• 28.10.2026, 07:55:32
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RSV-Infektionen in Österreich immer noch unterschätzt

Expert:innen wünschen sich einen besseren, kostenlosen Zugang der Risikogruppen zu Impfungen

Wien (OTS) - 

Internationale Studien zeigen, dass das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) zu ähnlich vielen und schweren Verläufen und Krankenhausaufenthalten führt wie Influenza. In Österreich gibt es zwar Daten dazu, diese dürften jedoch das wahre Ausmaß unterschätzen, vermuten Expert:innen. Um den schweren Verläufen insbesondere bei älteren Personen entgegenzuwirken, kann bereits seit zwei Jahren gegen RSV geimpft werden. Im österreichischen Impfplan wird die Immunisierung Personen ab 60 Jahren sowie Risikopersonen ab 18 Jahren empfohlen. Impfangebote sind zwar vorhanden, werden aber noch nicht ausreichend angenommen. Expert:innen zufolge fehlt es sowohl an der nötigen Information als auch am niederschwelligen Zugang. Außerdem sind die Kosten für die Impfung aktuell selbst zu tragen. Das gilt ebenso für die Impfung von Schwangeren, mit der das Neugeborene in den ersten sechs Lebensmonaten geschützt werden kann.

Wie die echte Grippe sorgt RSV* Jahr für Jahr für eine Erkrankungswelle. In Europa beginnt die RSV-Saison normalerweise im November oder Dezember, erreicht ihren Höhepunkt im Jänner und Februar und dauert bis März oder April. Ein Verlauf, den heimische Expert:innen auch für Österreich sehen.1

Keine harmlose Erkrankung

Lange wurde angenommen, dass RSV nur für Säuglinge und kleine Kinder gefährlich sei. Dass das ein Irrtum ist, zeigt unter anderem eine Studie aus Großbritannien zur Wintersaison 2023/24. Ihr zufolge waren RSV-assoziierte akute Atemwegsinfektionen bei Erwachsenen über 65 Jahren eine häufige Ursache für Hospitalisierungen. Symptome und Auswirkungen inklusive Sterblichkeit waren ähnlich wie bei Influenza.2 „Die Zahl der stationären RSV-Fälle erreichte bei uns jene der COVID-19-Fälle und damit hat RSV auch im Spital eine große Bedeutung“, berichtet Univ. Prof. Dr. Robert Krause, DTMP, FECMM von der Klinischen Abteilung für Infektiologie an der MedUni Graz.

Ungenaue Daten

Trotzdem dürften die österreichischen Zahlen insgesamt noch zu niedrig angesetzt sein. Fehlende PCR-Testungen und Einmeldungen ins SARI-Dashboard, dem Online-Informationssystem zu den Spitalsaufnahmen aufgrund schwerer Atemwegsinfektionen, erschweren die epidemiologische Bewertung der Krankheitslast sowie entsprechende gesundheitsökonomische Analysen. Dazu kommt, dass den Symptomen im Spital nicht immer der richtige standardisierte Code (ICD) zugeordnet wird.1

Außerdem endet nicht jede RSV-Erkrankung im Spital. Ein Großteil der Infektionen bei älteren Menschen wird ambulant betreut. In den Ordinationen ist RSV nicht immer leicht zu erkennen, da es seltener Fieber, Muskelschmerzen und Erschöpfung auslöst als die Influenza. Die Belastung ist dennoch mit jener durch Influenza vergleichbar, etwa durch wiederholte Arztbesuche, Medikamentenbedarf und Krankenstände.3 Wie viele Fälle und welche Kosten dadurch entstehen, bleibt bisher weitgehend unklar. Es ist daher von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Enkel stecken Großeltern an

Was man hingegen sehr gut weiß, ist, dass hospitalisierte Patient:innen ein Durchschnittsalter von etwa 67 Jahren aufweisen und damit eigentlich als „fitte Erwachsene“ gelten. „Viele Menschen in diesem Alter betreuen jedoch ihre Enkelkinder und stecken sich offenbar auch bei diesen an“, so Krause. Eben jene Enkelkinder können ebenfalls einen schweren Verlauf erleben, insbesondere, wenn sie noch im Säuglingsalter sind. Gemäß US-amerikanischen Daten gehen im Winter bis zu 25 % aller Krankenhauseinweisungen von Säuglingen unter einem Jahr auf eine RSV-Infektion zurück.4

Impfung empfohlen

Im österreichischen Impfplan ist eine RSV-Impfung für alle Personen ab 60 Jahren empfohlen, besonders für Personengruppen mit erhöhtem Risiko, darunter Personen über 75 Jahre und Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen betreut werden. Altersunabhängig gilt die Empfehlung auch für Personen ab 18 Jahren mit schweren Grunderkrankungen, etwa chronischen Lungenerkrankungen (z. B. COPD), Herzerkrankungen oder Immundefekten. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit einer aktiven Immunisierung Schwangerer zum Schutz des Neugeborenen, sofern der Geburtstermin zwischen Oktober und März liegt. Alternativ steht eine kostenfreie passive RSV-Immunisierung für Säuglinge und Kleinkinder während beziehungsweise vor der RSV-Saison zur Verfügung.5

Ärztliche Empfehlung und Aufnahme ins Erwachsenen-Impfprogramm wichtig

Studien belegen einen Rückgang der Krankenhausaufnahmen aufgrund von RSV von mehr als 90 % in der ersten Saison nach der Impfung.1 Derzeit lassen sich allerdings die wenigsten, für die die Impfung empfohlen ist, aus eigenem Antrieb impfen. „Vermutlich, weil die Impfung noch relativ neu und unbekannt ist“, meint Krause.

Hausärzt:innen spielen eine Schlüsselrolle: Sie betreuen viele Patient:innen über 60 sowie Risikopatient:innen und sollten verstärkt über die RSV-Impfung aufklären. Die Aufnahme in das öffentliche Impfprogramm für Erwachsene (ÖIP) würde die Durchimpfungsrate zusätzlich steigern und sollte daher rasch erfolgen. Betriebsimpfungen eignen sich zudem, um Risikopatient:innen ab 18 Jahren im Berufsleben zu erreichen.

* Respiratorisches Synzytial-Virus


  1. Experten-Statement, Bedeutung der RSV-Impfung bei älteren Erwachsenen, Update Europe, 2026.
  2. Symes R et al. Burden of respiratory syncytial virus infection in older adults hospitalised in England during 2023/24. JInfect 2025;91(3):10657.
  3. Hak SF et al, Clinical and Socioeconomic Burden of RSV Infections Among Older Adults in Primary Care: An International Prospective Cohort Study. Influenza and Other Respiratory Viruses. 2025;19:e70174. DOI: 10.1111/irv.70174. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12514451/
  4. Riccò M, Abu-Raya B, Icardi G, et al. Respiratory Syncytial Virus: A WAidid Consensus Document on New Preventive Options. Vaccines (Basel) 2024;12(12):1317.
  5. BMASGPK, Impfplan Österreich 2026/2027, Version 1.1.

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